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Harald Nies - Nighttrain

25.02.2017
MusikZirkus M.
Mit seinem 2013er Album „Nighttrain“ erzählt uns Harald Nies die Fahrt in einem Nachtzug. Es ist dabei egal wo Sie beginnen und wohin die Reise geht. Der Weg ist das Ziel. Während dieser Reise erleben Sie die Stille und Ruhe der Nacht. Lichter huschen vorbei. Es geht voran. Gedanken verschwimmen. Gefangen in diesen Welten hat Schlaf zunächst keine Chance, bis sie sich dann doch den monotonen Geräuschen des Nachtzugs hingeben. Diese Reise gibt einem die Zeit und die Ruhe über das eigene „Ich“ nachzudenken und man weiß „das tut mir gut“. Sie fahren in den Sonnenaufgang, den sie so schon lange nicht mehr wahrgenommen haben. Sie steigen aus und freuen sich auf die Rückreise in ihrem „Nighttrain“. So lautet der Pressetext.





Also steigen wir mal ein, in den Nachtexpress, dessen Fahrt, so sagt es der Untertitel der CD, abends um 23:00 Uhr beginnt und morgens gegen 7:00 Uhr endet.

Mit „Evening Of Departure (11pm)“ beginnt die Reise im Nachtzug zunächst sanft und mit Orgel ähnlichen Klangmustern. Dann kommen rhythmische Keyboardsounds auf, die das Fahren eines Zuges suggerieren. Durch die Klangfarbe habe ich das Gefühl, als würde ich in den Sonnenuntergang fahren, so wie das Cover es auch zeigt. Nach gut drei Minuten steigt die Dynamik der Musik an und Melodiebögen und Rhythmik lassen mich durch die Fenster des Zuges in den aufkommenden Nachthimmel schauen. Das klingt einfach gut und lässt mich zur Ruhe kommen. Immer mehr nimmt der Zug in diesem ersten Stück an Fahrt auf und Harald bringt das mit tollen Melodien zum Ausdruck, in denen auch durchaus mal eine Melodielinie wie bei Kraftwerk zart durchscheinen darf.

Im zweiten Stück „No More Homesick (11:30pm)“ lässt Harald dann die Sequenzer los und der Zug scheint nun noch schneller zu fahren. Darunter mischt er dann herrliche Flächenmuster, aber der Sequenzer bleibt die ganze Zeit über tonangebend. Auch in „Leaving Myself Behind (never)“ sind es die Sequenzer, die für den nötigen Rhythmusboden sorgen. Hier geht Harald aber so rhythmisch vor, dass man kaum die Füße ruhig halten kann. Versehen ist das Ganze mit einer sehr schönen Melodie.

Ruhiger geht es dann im Stück „Tunnel Vision (1am)“ zu. Hier ist der Rhythmus moderat und dazu spielt Harald betörende Melodien und Klänge. An einigen Stellen scheint dann auch die „Berliner Schule“ durch. Hymnisch und erhaben geht es dann im Stück „Still Unfatigued (2am)“ zu. Hier herrschen dann zunächst auch Streichersounds vor, die mich an die Fahrt vorbei an majestätischen Bergen erinnern. Im weiteren Verlauf kommt ein Rhythmus hervor, der ansatzweise Ähnlichkeiten zu Harald Grosskopf’s „So weit, so gut“ aufweist. Auf diesen setzt Harald dann zarte Melodiebögen. Es folgen das verträumte „Nightdream (3am to 5am)“, das zunächst schwebende und dann durch die E-Gitarre rockige „Blurred Sunset (6am)“ bei dem die Sonne aufgeht und das abschließende „Good Bye My Nighttrain (7am)“, das durch die Kombination aus Piano, Synthie und E-Gitarre wie eine wehmütige Elektronik/Rocknummer klingt.

Mit Harald Nies gehe ich gerne auf Reisen, vor allem wenn es im „Nighttrain“ ist, denn er ist in der Lage die Atmosphäre einer nächtlichen Zugfahrt perfekt einzufangen. Eine sehr schöne Produktion, die auch ohne Zug Spaß macht.

Stephan Schelle, Oktober 2013...


Faber - Pictures

25.02.2017
MusikZirkus M.
Dieses Mal wird Roland Schmidt aka „Faber“ mit seinem neuen Album „Pictures“ etwas persönlicher. Bilder aus seiner Vergangenheit waren das Leitmotiv für sein neues Album. Auch wenn er seine eigenen Interpretationen und Intentionen nicht immer direkt ausspricht, so lassen sich diese schnell erraten. Dabei verzichtet er nicht auf seine eigenen Harmoniebögen und Stile, die seine Musik seit seinem ersten Album „Spacefish“ auszeichnen. Soweit der Pressetext.





Den Anfang macht das fast zehnminütige „Beauty“. Mit diesem Stück öffnet Faber ein wahres Klangkaleidoskop. Herrliche Synthiefarben umspielen die Ohren des Hörers. Das klingt, als würde er eine Tür zu einer anderen Welt öffnen und den Hörer mit einfühlsamen, transparenten und direkt ins Herz zielenden Sounds und Melodien überschütten. Der Sound wirkt unglaublich räumlich und man wird förmlich von ihm umringt oder umgarnt. Ein toller Opener, der seinem Namen wirklich gerecht wird.

Eine chinesische Stimme leitet dann in den zweiten Track „Yellow Magic Train“. Dieser ist wesentlich rhythmischer angelegt und weist Spuren von Electropop auf. Ähnlichkeiten zum Yellow Magic Orchestra kann ich allerdings nicht erkennen, da ist die Nähe zu Acts wie Andy Pickford schon eher gegeben, auch wenn die Musik mit den unglaublichen Melodien des Briten nicht ganz mithalten kann. Und doch besitzt dieser Track einiges an Faszination, wie eine mystische Bahnfahrt.

Es folgt „Ad asdra per aspera“. Ethnische Rhythmen (perkussionartig) vermischen sich mit Orgelklängen. Das löst eine eigenartige Stimmung aus. Darauf legt Faber dann eine Melodielinie. Im weiteren Verlauf kommen dann noch Sequenzerrhythmen dazu. Synthetisches Vogelgezwitscher (hier versucht Faber erst gar nicht Tierstimmen naturgetreu darzustellen, sondern zeigt deutlich dass sie mit Synthies hergestellt sind) und eine verträumte Pianomelodie zeichnen das Bild eines „Electronic Forest“, der nach einigen Minuten durch Synthiemelodien/-klänge der Marke Rick Wakeman (allerdings ohne dessen Virtuosität) erweitert wird.

Einen besonderen Charme löst „Blue Planet“ aus, das durch seine Klangfarben antiquiert, aber nicht veraltet wirkt. Technologisch, mit leichten Ansätzen von Kraftwerk und der britischen Band The Art Of Noise wirkt „Art Of Voice“ (Der Titel ist wohl eine entsprechende Anspielung). Dieser Track ist fast tanzbar.

„Phonec“, wie könnte es auch anders sein, beginnt mit einem Telefonklingeln. Dazu gibt es einen Rumbarhythmus und recht rau klingende Keyboardsounds. Die Melodie könnte wieder aus Richtung Kraftwerk herüberwehen. Ganz anders zeigt sich „Desire“, bei dem Faber wieder einfühlsame, weite Klangflächen in den Vordergrund gestellt hat. Das ist Musik die unter die Haut geht und schon nach wenigen Klängen Gänsehaut erzeugt. Das abschließende „Santorin“ geht leicht in Richtung Vangelis und hat durch seine Synthiechöre auch etwas Erhabenes und Sakrales, das gut zum Thema passt.

Auf dem neuesten Werk von Roland Schmidt alias Faber, das den Namen „Pictures“ trägt, zeigt sich der deutsche Elektroniker von seiner abwechslungsreichen Seite. Die einzelnen Stücke weisen die unterschiedlichsten Klangmuster auf, wie eine Compilation verschiedener Künstler. Und doch schafft es Faber die CD als Einheit wirken zu lassen, deren Stücke - trotz ihrer unterschiedlichen Stile - zusammenpassen. Sehr gelungenes Album.

Stephan Schelle, Oktober 2013...


Vanderson - Another Day in Future

25.02.2017
MusikZirkus M.
MellowJet-Records präsentiert mit „Another Day In Future“ das 2013er Album des polnischen Ausnahmemusikers Vanderson. Im Stile der Berliner Schule zaubert Vanderson eine fantastische Klangwelt, voll mit traumhaften Melodien, Klanglandschaften, Sequenzen und auch lebhafter Rhythmik. Auch dezente Elemente des Spacerock fanden, wie im Song „Sunblast“, ihren Weg auf das Album.





Zwischen den einzelnen Tracks sorgen perfekt inszenierte Traumphasen für die nötige Entspannung. Dabei stützt sich der Musiker gänzlich auf die perfekte Kontrolle seines rein synthetischen Geräteparks. Klanglich ist das Album auf allerhöchstem Niveau. Vanderson schafft dabei den Spagat zwischen klassischer Berliner Schule und neuzeitiger Elektronik, wie kaum ein anderer.

Vier Stücke die es auf mehr als 13 Minuten bringen sowie ein Track mit mehr als sieben Minuten zeugen davon, dass Vanderson seiner Musik Zeit gibt. Auch wenn das Cover nach einem Titelblatt eines alten Groschenromans oder eines Filmplakates aus den 60’ern oder 70’ern aussieht, so wirkt es doch sehr ansprechend und steht im Kontrast zu der herrlichen Musik, die Vanderson auf dem Album zusammengestellt hat. Gar nicht antiquiert, sondern sehr eingängig und transparent kommen die Harmonien aus den Boxen geflogen. Das zeigt sich schon beim Opener „Art Of Existence“, der mit 14:31 Minuten zu Buche schlägt.

Zunächst schweben die Flächen durch den Raum, so wie es für die „Berliner Schule“ nicht unüblich ist. Dem mischt Vanderson einige Synthiechöre bei, die recht sakral wirken. Langsam baut sich das Stück auf und nimmt Fahrt auf, sobald der pumpende Rhythmus aus dem Off nach vorne drängt. Zwar sind die Harmoniebögen und Rhythmen recht monoton und stetig angelegt, doch lösen sie durch zahlreiche Einwürfe eine äußerst spannende und fesselnde Wirkung aus.

Windgeräusche leiten dann nahtlos in den zweiten Track, das Titelstück, über, das es auf fast 15 Minuten bringt. Dieser Track beginnt auch erst recht verhalten und bekommt dann durch hellere Synthieklänge einige Melodiemuster verpasst, die mystisch, futuristisch aber immer sehr harmonisch klingen. Die Gedanken fliegen dabei auf und davon. Sobald die Sequenzer nach ca. fünf Minuten an die Arbeit gehen, wird es fesselnd. Das ist wieder sehr in der „Berliner Schule“ verwurzelt, allerdings mischt Vanderson einige Klangfarben bei, die eine gänzlich neue Mischung ergeben.

Surreale Sounds sind das Bindeglied zum nächsten Track mit dem Titel „Memories“. Dieses Stück wirkt zunächst bombastisch und etwas bedrohlich, da die Klänge eine Spur Düsternis inne haben, ohne aber zu bedrücken. Das hellt sich nach etwas mehr als drei Minuten auf und geht dann in ein tolles Sequenzer orientiertes Stück über.

Es folgt das hinreißende „Sunblast“, bei dem das Gitarrensolo von Steve Slawomir Tudruj dem Sound von Vanderson eine rockige Note verleiht. Ein toller hypnotischer und rhythmischer Track. Den Abschluss bildet dann das mit 7:38 Minuten kürzeste Stück des Albums, „New Hopes“. Mit diesem „Rausschmeißer“ hat Vanderson den Ohrwurm des Albums ans Ende gesetzt. Ein tolles Stück, das sofort ins Ohr geht.

„Another Day In Future“ ist mein erster Kontakt zum polnischen Musiker Maciej Wierzchowski Vanderson, der sicherlich nicht der letzte sein wird. Vanderson zeigt auf dem Album sein Gespür für herrliche Atmosphären, die im Umfeld der „Berliner Schule“ entstanden sind, ohne sie aber 1:1 zu kopieren. Und mit „New Hopes“ hat er darüber hinaus ein hinreißendes Stück Musik auf den Silberling platziert. Klasse Album.

Stephan Schelle, Oktober 2013...


Seifert & Steinbüchel - Softlock (2-CDR Edition)

25.02.2017
MusikZirkus M.
Der Tontechniker, Sounddesigner und Musiker Erik Seifert hat zusammen mit Josef Steinbüchel ein Album mit elektronischer Spacemusik herausgebracht, das über verschiedene die Download-Plattformen wie itunes erhältlich ist. In einer limitierten Auflage ist dieses Album auch auf einem sehr schön gemachten USB-Stick zu bekommen. Dieser lag mit zur Besprechung vor. Erik hatte schon auf dem Album „Poles“ mit Josef Steinbüchel zusammengearbeitet, bei dem auch Max „Maxxess“ Schiefele beteiligt war. „Softlock“ ist aber ein Gemeinschaftsprojekt des Duos Seifert und Steinbüchel.





Erik und Josef schreiben zur Zusammenarbeit und dem Konzept hinter „Softlock“ im Booklet: In der Regel komponieren und entwickeln wir unsere Titel getrennt voneinander am Rechner. Im so genannten Mehrspurverfahren wird jedes musikalische Event separat auf entsprechend viele Audiospuren aufgenommen. Diese recht ausgefeilten Grundgerüste werden dann dem Musikpartner vorgestellt und dann gemeinsam Ausproduziert. Am Ende werden die vielen Spuren mit ihren verschiedenen Lautstärken und Frequenzen auf die endgültige Stereospur heruntergemischt. Dieses Musikprojekt sollte sich in der Produktionsweise deutlich von unserer bisherigen Methode unterscheiden, indem wir in der Kompositionsphase mehr auf gemeinsame Improvisationen setzten. Wir versuchten in Jam-Sessions die Musik mehr oder weniger in einem Durchgang und mit dem unmittelbaren Gefühl das im freien Zusammenspiel entstand auf einer Stereospur einzufangen. Live wie bei einem Konzert. Das hat natürlich nicht immer auf Anhieb geklappt. Trotzdem vermieden wir unsere klassische Produktionsweise und spielten manche Titel dann einfach mehrfach ein. Technisch vielleicht nicht perfekt, aber mit dem richtigen Vibe, glauben wir unser musikalisches Ergebnis mit dieser Vorgehensweise einen deutlichen Schritt voran getrieben zu haben.

Herausgekommen ist wieder wunderbare elektronische Spacemusik, von der sich die Besucher der Schallwelle-Preisverleihung Ende März 2014 live überzeugen konnten. Im Planetarium Bochum stellten Seifert und Steinbüchel auszugsweise ihr Album live vor.

Schwebende, teils rhythmische und immer sehr harmonische bzw. melodiöse Stücke haben die beiden zu einem Konzeptwerk zusammengefügt, denn die Stücke gehen ineinander über und sind als Ganzes zu betrachten. Aus diesem Grund macht es auch keinen Sinn ein einzelnes Stück hervorzuheben oder zu beschreiben. Spacige Passagen mit weiten Flächen wechseln sich mit melodischen Teilen ab. Immer wirkt das Ganze aber sehr homogen und flüssig gespielt. Das die beiden die Stücke live eingespielt haben lässt die Produktion darüber hinaus wie aus einem Guss wirken.

Seifert und Steinbüchel mischen in den Stücken immer mal wieder nostalgische Klänge wie zu, Beispiel vom Mellotron, mit modernen Sounds. Der Klang des Werkes ist dabei aber immer von sehr hoher Qualität, so wie es auch die bisherigen Veröffentlichungen von Erik Seifert waren. Die Musik kommt daher mit einer hohen Dynamik und Transparenz aus den Boxen.

Auf dem USB-Stick befindet sich das Album im WAV- und MP3-Format. Daneben gibt es noch reichlich Bonusmaterial wie ein ausdruckbares Booklet (im pdf-Format), Videos und weiteres mehr.

Mit „Softlock“ ist den beiden Musikern Erik Seifert und Josef Steinbüchel ein tolles Elektronikalbum gelungen, das ganz in der Tradition der Soloveröffentlichungen von Erik Seifert steht. Klanglich auf höchstem Niveau haben die beiden elektronische Spacemusik geschaffen, die nicht nur durch die hohe Transparenz und Dynamik fesselt. Auch die Harmonien und Melodien sowie Rhythmen sind perfekt ausgearbeitet und lassen in eine ganz andere Welt eintauchen. Ein tolles Album, auch wenn es nur als Download erhältlich ist.

Stephan Schelle, April 2014...


Faber - Ways

25.02.2017
MusikZirkus M.
Elektronikmusiker tüfteln gerne an Klängen und Rhythmen herum und lassen sich so zu neuen Stücken inspirieren. Auch der Einsatz neuer Synthesizer und Keyboards bzw. neuer Software führt zu diesen Ergebnissen. Auf Roland Schmidt, der sich als Pseudonym Faber ausgewählt hat, trifft dies ebenfalls zu. Das Ergebnis auf seinem neuesten Album „Ways“ ist durch das Entdecken neuer Synthesizer und Klangalgorithmen entstanden.





Der Pressetext erklärt zum neuen Werk: Wie auch bei seinen früheren Alben verbinden sich Elemente der klassischen EM mit neuen Ideen und Technologien und lassen so die Faber-typischen Klangwelten entstehen. Das Ergebnis ist immer ein bisschen verspielt. Faber´s „Ways“ überrascht auch mit Referenzen an den Swing und auch den Sound der Kirchenorgel hat er entdeckt und für sich genutzt. Somit betritt er nun auch bisher unangetastete Genres. Das macht neugierig, also CD in den Player und los geht es.

Die CD beginnt mit „Longing Theme“, in dem Faber zunächst Sounds wie auf einer Kirchenorgel gespielt, in den Äther schickt. Das klingt erhaben und voluminös. Nach einem gut einminütigen Intro kommen aber andere Klangfarben und -muster auf, die das Stück nun in Richtung Soundtrack mit leichtem Vangelis-Touch bringen. Eine sanfte Synthienummer, die erhaben bleibt und bei der ich mir einen Flug über weite Landschaften wie verschneite Berggipfel sehr gut vorstellen kann.

Perlende Synthieklänge erwarten den Hörer dann im zweiten Stück „Autumn Breeze“. Und wie eine sanfte Herbstbrise weht auch das Stück zunächst durch den Raum. Sehr melodisch und mit Synthiechören, die mich gedanklich über weite kaukasische Landschaften tragen, führt Faber das Stück fort. Dabei kombiniert er verschiedenste Klangfarben und Sounds.

In „Travel The World“ verzaubert er den Hörer durch eine sehr einschmeichelnde Melodie und bezaubernde - manchmal fernöstlich wirkende - Klänge, während er in „Lost Childhood“ eine verträumte Melodie u. a. auf dem Piano spielt und das Ganze mit einigen Geräuschen spielender Kinder untermauert.

„Berlin 1984“ ist nicht etwa ein Stück, das der „Berliner Schule“ frönt, auch wenn es zunächst mit einigen herrlichen Synthieflächen beginnt. Faber macht daraus ebenfalls einen melodischen/rhythmischen Track. Ganz aus der Reihe fällt dann „Midnight Swing“, bei dem - der Titel verrät es schon - Swing und Jazz im Vordergrund stehen. Man würde dieses Stück, wenn man es im Radio hört nicht unbedingt einem Elektronikact zuordnen. Schlagzeug (mit Besen gespielt) und der Bass klingen, als wäre ein Band am Werk. Das ist aber der einzige Track, der aus der Rolle fällt. Er zeigt aber die Vielfältigkeit, die Faber in der Lage ist zu spielen bzw. zu interpretieren. In „Longing For You“ geht es dann wieder elektronisch zu.

Ganz vom Piano bestimmt (später kommen noch einige Streichersounds hinzu) ist das Stück „Blue Hour“, das ich mir gut in einer Hotelbar zur blauen Stunde vorstellen kann. Am Anfang von „Solitude“ glaubt man durch den Einsatz des Basses, Faber würde erneut Swing und Jazz interpretieren. Doch schon nach wenigen Momenten kommen die Synthies auf und später auch Mellotronsounds. Wie in kaum einem anderen Stück des Albums verbindet Faber hier nostalgische und moderne Klangerzeuger bzw. deren Sounds. Auch Gitarrenklänge kommen zum Einsatz und streuen eine sanfte Prise Rock ein. Das hat was absolut magisches.

„Berliner Schule“-Flair kommt dann im Stück „New Ways“ auf. Jedoch verwebt Faber dieses mit modernen Klängen, so dass etwas gänzlich Neues entsteht, neue Wege halt. „Longing Reprise“ nimmt das Sakrale vom Opener noch einmal auf und so ist auch hier die Kirchenorgel wieder zu hören. Ein gelungener Abschluss.

Aber halt, da gibt es noch einen Bonustrack mit dem Titel „Asiania“. Dieser versprüht zunächst so eine Stimmung wie die Soundtracks von John Carpenter, erhält aber durch weitere Klänge etwas Eigenes. Auch der gesprochene Text (klingt wie eine mystische Formel - könnte rückwärts gesprochener Text sein) sorgt für sehr mystische Momente. In diesem Stück setzt Faber erneut Mellotronklänge ein, die im Kontrast zu den modernen Sounds stehen.

Roland Schmidt aka Faber zeigt auch auf seinem neuesten Werk „Ways“ das er ein Händchen für einfühlsame herrliche Melodien hat. Das Ganze garniert er dann noch mit unterschiedlichen Klangfarben- und -mustern sowie verschiedenen Sounds. Das macht seine Musik so abwechslungsreich und doch so fesselnd. Ein tolles Album, was er da im Frühjahr 2014 auf den Markt gebracht hat.

Stephan Schelle, April 2014...


Steve Baltes - Bochum Sky

25.02.2017
MusikZirkus M.
Steve Baltes ist den Freunden der elektronischen Musik bestens bekannt, war er doch lange Zeit Teil von Ash Ra Tempel und Ashra, mit Manuel Goettsching, Lutz Ulbrich und Harald Grosskopf. Steve ist ein Musiker, der sich vorwiegend in den Dienst anderer Künstler stellt. Da wurde es Zeit, dass er mal wieder seine eigene Musik präsentieren kann. Am 13.07.2013 trat Steve im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Sound Of Sky“ im Planetarium in Bochum auf. „Bochum Sky“, das im Sommer 2014 bei MellowJet Records veröffentlicht wurde, ist ein Mitschnitt dieses Konzertes.






Ganze 14 Jahre hat es gedauert, bis Steve Baltes mal wieder eine Soloveröffentlichung auf den Markt bringt. Allerdings ist Steve nicht ganz allein am Werk, denn einige Keyboardsoli hat der „Sound Of Sky“-Initiator und bekannte Elektronikmusiker Stefan Erbe beigesteuert. Zudem untermalen herrlich sanfte Gitarrensounds von Oliver Franken den hypnotischen Sound von Steve Baltes.

Mit atmosphärischem Rauschen und Klanggebilden, die nicht ganz zuzuordnen sind – einiges klingt wie Gläser und Metallstäbe, die vom Wind aneinander geschlagen werden – beginnt das 35minütige „Bochum Sky 1“. Steve erzeugt zunächst mystische Stimmungen, die wenig mit Melodien gemein haben. Das wirkt auf der einen Seite entspannend, auf der anderen Seite wirkt es auch in einer eigentümlichen Art sehnsuchtsvoll. Nach fünf Minuten bilden sich dann erste leichte Rhythmusmuster, die sich aber noch im Hintergrund, hinter dem Schleier der Soundskulpturen bewegen. Erst ganz langsam kann sich dieser eindringliche Rhythmus von seinem Ballast befreien und in den Vordergrund treten.

Dann sorgt eine sägende Gitarre für einen Break ohne die Situation aber grundlegend zu verändern. Der Rhythmus bleibt und langsam kommen Harmonien nach gut acht Minuten ins Spiel. Ab jetzt breitet sich eine eigentümliche Faszination aus, der man sich als Hörer nicht entziehen kann. Es ist schwierig zu beschreiben was da passiert, aber es fesselt ungemein. Der Geist löst sich beim Hören dieser Musik langsam vom Körper und entschwindet in weite Fernen und Galaxien. Nach elf Minuten kommt ein glasklares, schneidendes weiteres Rhythmusmuster auf, und eine Pianomelodie legt sich darauf. Spätestens jetzt ist man als Hörer in der Musik von Steve Baltes, die mit zahlreichen Effekten durchtränkt ist, gefangen.

Die eingestreuten Sprachsamples erhöhen den Mystik-Faktor um einiges. Man scheint bei der Musik in einer Endlosschleife gefangen zu sein, um dann immer wieder von Steve mit neuen Elementen, Rhythmen oder Effekten überrascht zu werden. Eine tolle Nummer, die außergewöhnlich und fesselnd zugleich ist.

„Bochum Sky 2“ beginnt ebenfalls mit atmosphärischen Sounds. Das 25minütige Stück ist ebenfalls von Effekten durchzogen und zirpt und zischt zu Beginn, was das Zeug hält. Nach gut vier Minuten startet es dann mit rhythmischen Sequenzern und Harmonien. Dieses Stück ist ähnlich wie Part 1 aufgebaut und übt eine gleiche Faszination aus. Mir fällt dabei nur der Vergleich des Kaninchens, das vor der Schlange sitzt ein, denn so fasziniert harre ich vor den Boxen aus.

Mit wesentlich sanfteren Klängen wartet „Bochum Sky 3“ auf. Hier sind es schon zu Beginn weite, harmonische Flächen, die allerdings von unterkühlten, industriell wirkenden Synthiesounds konterkariert werden. Gemächlich schreitet dieser Track dahin, ohne die Stimmung der vorangegangenen Stücke aufzuheben. Auch die atmosphärische Gitarre von Oliver Franken passt hervorragend zu diesen Sounds. Ich kann nicht sagen, was den Reiz der Musik ausmacht, aber Steve hat hier ein Händchen für hypnotische, fesselnde Sounds bewiesen.

Es dauert hoffentlich nicht wieder 14 Jahre, bis sich Steve Baltes entscheidet ein weiteres Album auf den Markt zu bringen. Steve vermag es den Hörer trotz seiner recht monoton angelegten Grooves und entspannten Grundmuster zu fesseln. Ambiente Klangformationen treffen auf sanfte Harmoniemuster, die durch eingestreute Sprachsamples eine mystische Atmosphäre bilden. Ein tolles Werk.

Stephan Schelle, Oktober 2014...