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Bewertungen



moonbooter - EVIL 18DE (NEU)

05.10.2018
MusikZirkus
Bernd Scholl aka Moonbooter hat erneut ein Livealbum veröffentlicht, bei dem er – neben seinen Kollaborationen mit Künstlern seines Labels - Solo in Erscheinung getreten ist. Das erste Wort des Albumtitels muss dabei wieder rückwärts gelesen werden. 18DE weist daraufhin, dass es sich um ein Konzert handelt, das er 2018 in Deutschland, genauer gesagt am 03.03.2018 im Planetarium Münster unter dem Motto „Electronic Music 2“, gespielt hat.






Mit satten neun Stücken hat er dabei ¾ seines aktuellen Studioalbums „Cosmosonic“ in die Setlist aufgenommen. Daneben findet sich mit „Schnurstraks“ ein Stück vom 2013’er Album „Zeitenwende“ und mit „Good Bye Elements“ noch ein Stück vom 2012’er Album „Cosmophonica“ im Programm. Das knapp einminütige „Zwischenspiel“ ist dabei nur als Bridge zwischen zwei Stücken zu sehen.

Bernd spielt live seine Stücke nicht in den Studioversionen, sondern arrangiert sie immer etwas um, was wiederum auch den Kauf seiner Livemitschnitte rechtfertigt.

Bei der Zusammenstellung der Stücke fällt auf, dass Bernd eine andere Reihenfolge wie auf dem Album „Cosmosonic“ gewählt hat. So beginnt der Konzertmitschnitt beispielsweise mit „Outside Space“, das auf dem Studioalbum an neunter Stelle zu finden ist. Durch seinen langsamen Beginn, bei dem der basslastige Synthie und die darauf liegenden Flächen langsam aus dem Off nach vorne streben, passt dieser Track hervorragend an den Anfang des Konzertes. Man kann sich förmlich vorstellen, wie im Planetarium langsam die Planeten und Sterne am Himmel des Kuppeldaches aufziehen. Dieser erste Track startet sanft in den Gig.

Nahtlos hat Bernd die Stücke ineinander gewoben und so geht es dann mit „Inside Space“ (das Stück ist auf dem Studioalbum „Outside Space“ vorangestellt) rhythmischer zur Sache. Flirrende Rhythmen und ein pumpender Beat bilden den Unterboden auf dem Bernd dann seine Harmonien legt, die zum Tanzen einladen.

Hymnisch geht es dann zunächst in „Perfect Stranger“ weiter, ein Stück das Soundtrack-Atmosphäre versprüht, im späteren Verlauf an Rhythmik gewinnt. „Caught Of Melancholy“ zeigt sich dann wieder von seiner rhythmischen Seite mit einer unwiderstehlichen Melodie, die so typisch für Moonbooter ist. Obertongesänge (aus dem Rechner) kommen dann zu Beginn in „Cosmic Thunder“ auf. Dieses Stück hat Bernd mit stilistischen Merkmalen von John Carpenter-Soundtracks versehen. Nicht von ungefähr kommt der Zusatz „Carpenters Mix“. „I Remembdred Tomorrow“ zeigt sich im „Kiss Me Tonight Mix“ etwas langsamer als im Original und ist recht loungig mit musikalischen Anleihen von Schiller versehen.

Sehr poppig wird es dann durch Vocoderstimmen im Track „L I F O“, der ebenfalls wieder einen pumpenden Beat aufweist und gut abgeht. Das einminütige, atmosphärische „Zwischenspiel“ verbindet die beiden, nicht vom „Cosmosonic“ stammenden Stücke „Schnurstraks“ und „Good Bye Elements“. Als Zugaben hat er dann noch „Now And Then“ und „34 Years Later“ gespielt.

Auf dem Livemitschnitt „EVIL 18DE“ zeigt Bernd Scholl aka Moonbooter, das er seine im Studio erstellten Stücke live in umarrangierten Versionen präsentiert, die auch in diesen Formen sehr gut funktionieren. Das Ergebnis ist eine sehr ansprechende Performance, die man gerne erneut hört, da auch die Zusammenstellung der Titel gelungen ist. Klanglich ist die Veröffentlichung wieder hochwertig ausgefallen.
Stephan Schelle, August 2018 http://musikzirkus-magazin.de/dateien/Pages/CD_Kritiken/elek-
tronik/moonbooter_evil_18_de.htm...


Uwe Reckzeh - Surreal Dreams (NEU)

05.10.2018
MusikZirkus
Die Abstände zwischen den Veröffentlichungen von Uwe Reckzeh, dessen Musik sich zwar im Umfeld der „Berliner Schule“ bewegt aber einen ganz eigenen Stil besitzt, scheinen sich auszuweiten. Lagen zwischen Uwe’s vorletztem Album „Virtual Mind“ und dem letzten Werk „Perfection Mode“ noch zwei Jahre, so sind bis zur Veröffentlichung des Nachfolgers „Surreal Dreams“ drei Jahre vergangen. Auf der Seite von MellowJet Records ist über das neue Album zu lesen:

Es scheint, als ob Reckzeh´s neue Musik mehr vom Zufall gesteuert wird. Das ist nicht nur sympathisch, sondern auch sehr spannend. Man weiß nie, was als nächstes passiert. Trotzdem behält das komplette Album seinen „Flow“. Nichts ist bis ins letzte Detail „perfekt“. Ecken und Kanten sind erwünscht. Chaos und Ordnung stehen sich direkt gegenüber. Im Zusammenspiel wirken alle 7 Tracks wie aus einem Guss. Dabei wird „Surreal Dreams“ von einer maximal abwechslungsreichen Monotonie getragen, wie nur Reckzeh sie beherrscht. Mit „Surreal Dreams“ ist Uwe Reckzeh wieder einmal ein außergewöhnliches und besonderes Album im Berliner Schule-Stil gelungen, welches im klaren Gegensatz zu den zahllosen 08/15-Fühstücksproduktionen steht. Ist es nicht gerade das Unperfekte, das die Dinge besonders macht? Dies ist frische Berliner Schule in Perfektion.

Das Titelstück wurde für das Album in fünf Parts unterteilt, von denen die Parts 3 und 4 von den Stücken „Hydrothermal Springs Part I – III“ und „The Real 9/11“ unterbrochen werden.

Die CD startet aber zunächst mit „Surreal Dreams Part I“, in dem zunächst sehr technologische Sounds aufkommen, die schnell vom Sequenzer überlagert werden. Das hat noch nicht wirklich was mit „Berliner Schule“ zu tun, sondern zeigt den ganz eigenen Stil von Uwe Reckzeh. Nach gut einer Minute kommen aber Sounds und Melodiebögen auf, die an Tangerine Dream erinnern. Es entwickelt sich ein tolles TD-Stück, das TD nie aufgenommen haben. Uwe versteht es dabei das Flair des Berliner Urgesteins aufzunehmen und es in seinem Stil weiterzuentwickeln. Schnell ist man in diesem wunderbaren 8:13minütigen Opener „Surreal Dreams Part I“ gefangen. Uwe spinnt hier herrliche Melodiebögen, die rhythmisch unterlegt sind und teilweise mit Gitarrenklängen verziert werden.

Die einzelnen Parts des Titelstücks stellen keinen zusammenhängenden Longtrack dar, sondern sind durch Pausen getrennt und stellen musikalische Einzeltracks dar. So zeigen sich beispielsweise in „Surreal Dreams Part II“ Rhythmusmuster, die sehr an Jean-Michel Jarre erinnern und kombinieren diese mit eigenen Sounds und Melodiefolgen, so dass hier alles andere als ein Jarre-Klon entstanden ist. Einiges in diesem Stück erinnert mich auch an Robert Schroeder. Auf den Punkt gebracht könnte man diesen Track als Jean Michel Jarre trifft Robert Schroeder bezeichnen.

Das 16:49minütige „Surreal Dreams Part III“ zeigt dann ein ganz anderes Bild. Sehr ruhig und Lounge mäßig beginnt dieses Stück. Zeitlupenartig bewegen sich Rhythmus und Harmonien. Nach etwas mehr als anderthalb Minuten schaltet Uwe dann den Sequenzer einen Gang höher und nun kommt eine Synthiemelodie zum Vorschein, die sich auf das Szenario legt. Uwe spielt in dem Longtrack mit der Rhythmik sowie Dynamik und verändert auch mehrfach die Struktur, so dass sich eine stetige Entwicklung zeigt. Zur Mitte hin erinnert einiges auch ansatzweise an den Stil des Alan Parsons Project und verbindet das mit Uwe’s typischem Stil. Das hat richtig Flair.

Der nächste Longtrack schließt sich dann mit dem gut 16minütigen „Hydrothermal Springs Part I – III“ an. Auch dieser Track beginnt ruhig, zeigt aber schon ein gewisses Potential, das sich nach gut anderthalb Minuten herausschält. Hier haben wir es wieder mit Musik zu tun, die an Tangerine Dream der 80’er Phase erinnert, aber nicht abgekupfert ist. Der Sequenzer flirrt und treibt das sehr melodische Stück stetig nach vorne. Nach gut fünf Minuten kommt dann der erste Break und der Sequenzerrhythmus wird auf eine andere Frequenz eingestellt (wie eine fahrende Dampflok) auf der sich nach einer Weile Harmonien legen. Der zweite Break setzt dann bei ca. Minute zehn ein. Nach dem Übergang zieht das Tempo des Sequenzers noch einmal an. Uwe spielt förmlich mit der Veränderung des Tempos und der Klangfarbe des Sequenzers und setzt einige Tupfer in Form von Gitarrenklängen hinein. Nach weiteren zweieinhalb Minuten geht es dann wieder gemächlicher und melodischer zur Sache.

Es folgt das melodische „The Real 9/11“, das mit herrlichen Synthieläufen bestückt ist, in denen Uwe seine Fingerfertigkeit zeigt. Rhythmisch weist das Stück an einigen Stellen die Nähe zu Acts wie MorPheuSz auf, was vor allem an dem Schlagzeugrhythmus liegt. „Surreal Dreams Part IV“ und Surreal Dreams Part V“ beenden dann das neue Album von Uwe Reckzeh eindrucksvoll.

Auch wenn es drei Jahre bis zur Veröffentlichung des zwölften Albums (Info zu bisherigen Veröffentlichungen aus den Abbildungen im Booklet entlehnt) gedauert hat, so hat...


Faber - Monumentum

18.06.2018
MusikZirkus
Zwei Jahre sind vergangen seit der deutsche Elektronikmusiker Ronald Schmidt aka Faber sein letztes Album unter dem Titel „Earthbeats“ veröffentlichte. Im Frühjahr 2018 erscheint mit „Monumentum“ das mittlerweile 13. Album, das er unter dem Pseudonym Faber herausbringt und es ist wieder ein ganz außergewöhnliches Werk geworden. In den vergangenen zwei Jahren hat Ronald frische neue Ideen gesammelt, aus denen er zehn tolle Stücke mit Laufzeiten zwischen 3:16 und 9:18 Minuten Spielzeit für das neue Album eingespielt hat.






Hatte Faber bisher auf rein elektronische Klänge gesetzt, so geht er auf „Monumentum“ einen neuen Weg, denn mit Jann Hansen an der Posaune und Freddy Schlender an der Gitarre hat er sich zwei Musiker mit „organischen“ Instrumenten an die Seite gestellt, die drei seiner Stücke eine zusätzliche Note verleihen.

Spacig mit futuristischen Flächen steigt Faber im eröffnenden Stück „Ancient Monument“ in sein neues Album ein. Das klingt wie der Soundtrack zu einem Science Fiction Film. Die Klänge die er in den ersten Momenten benutzt erinnern dabei an Vangelis. Doch bereits nach etwas mehr als einer Minute des 9:18minütigen Stückes kommt ein Rhythmus hinzu, der das Stück nun in eine etwas andere Richtung lenkt. Es entwickelt sich ein faszinierendes Stück, in das man immer mehr hineingezogen wird. Man hat das Gefühl eine unheimliche Spielfreude bereits in diesem ersten Track wahrzunehmen. Es klingt, als wäre das Stück live eingespielt worden. Diesen Eindruck verstärkt in der zweiten Hälfte auch noch Freddy Schlender mit seinem Gitarrensolo.

Sequenzer und ein Rhythmus aus dem Drumcomputer starten dann in den zweiten Track „Sacred Spirit“, der dann auch noch mit sakralem Gesang verziert wird. Das Stück hat auf eine sehr ansprechende Art und Weise einen leicht nostalgischen Touch, was Faber durch die Sounds, die leicht antiquiert wirken, erzeugt. Eine weibliche Stimme spricht dann noch einen Text, wie man es von Bands der Marke Enigma her kennt, ohne aber diesen Stil auch nur ansatzweise zu kopieren. Vielmehr nutzt Faber dies als weiteres Stilmittel für seinen Track. Den sakralen Effekt verstärkt er dann noch um einen Orgelsound, der in den Track eingebaut wird.

Wave artig, mit einem Rhythmus der leicht an Ultravox’ „Vienna“ erinnert, geht es dann im nächsten Track „No Other Way“ weiter. Die Wave artigen Elemente mischt er dann mit Sounds, die stark auf Kraftwerk weisen. Aber auch hier macht sich Faber Grundelemente zu Eigen, um sie dann in seinem ganz eigenen Stil neu zu modellieren. Hier ist auch wieder Freddy Schlender’s E-Gitarre das Salz in der Suppe, das aus dem Track einen ganz Besonderen macht.

Mit tanzbaren Beats wartet dann „Bataranga“ auf, während „Lost Ship“ einen leicht vertrackten Rhythmus, Soundtrack artige Passagen und Soundeffekte und später auch leicht rockige Klänge mit Orgel aufweist, die in Richtung 70’er Jahre zeigen. Die im Verlauf aufkommende Gitarrenlinie kommt dieses Mal aber von Faber selbst.

Eine leichte Rocknote weist auch „Steps Ahead“ durch seinen Schlagzeugrhythmus auf, während die Synthiemotive einen leichten Kraftwerk-Einschlag besitzen. Faber erweitert dies um weitere Synthieklangfarben und spricht den Titel im „Refrain“. Nach etwa drei Minuten kommt dann ein herrliches Posaunensolo von Jann Hansen hinzu, das dem Stück ein organisches Flair verleiht. Verträumt zieht dagegen „Nightdreams“ durch den Raum, während „Gate To Ishtar“ mit seiner herrlichen Melodie und der Klangauswahl in ein entferntes Land entführt. Den Abschluss bildet schließlich „Sacred Spirit Reprise“, das den Spirit des zweiten Stückes erneut aufnimmt. Monumental lässt Faber so sein neues Album ausklingen.

Die zweijährige Pause hat Ronald Schmidt aka Faber nicht geschadet, ganz im Gegenteil. Das Album „Monumentum“ klingt so frisch, als wäre er in einen kreativen Jungbrunnen gefallen....


Otarion - Under Surface (NEU)

18.06.2018
MusikZirkus
Im Frühjahr 2018 erscheint das mittlerweile sechste Otarion-Album beim deutschen Label MellowJet Records. Zuvor veröffentlichte Rainer Klein, der sich hinter dem Pseudonym verbirgt, schon einige Alben bei anderen Labeln. Aber vor allem in den letzten Jahren hat sich Rainer’s Musikstil, der nicht nur traditionelle Elektronikmusik beinhaltet sondern auch Progressiverock oder Soundtrack artige Elemente in seine Musik einbaut, stetig entwickelt. Seine bisherigen bei MellowJet Records erschienenen Werke sind von hoher Qualität und auch sein neuester Output, der den Titel „Unter Surface“ trägt, steht dem in Nichts nach.






Rainer schreibt in dem Booklet über sein neues Album:
Zu dem unverkennbaren Otarion-Stil gesellt sich dieses Mal eine gehörige Portion Postrock. Dies steigert das Empfinden, in eine Welt aus Emotionen einzutauchen. Melancholisch und zugleich hoffnungsvoll wird hier ein wunderschöner Spannungsbogen gehalten. Eine Atmosphäre aus Vertrautheit und Unbekanntem verwebt sich mit Otarion’s Stücken und erzählt so eine Geschichte aus Erinnerungen und Gedanken, welche in jedem Hörer des Albums persönlich zum Leben erweckt wird.

Der Albumtitel, den man sinngemäß als „unter der Oberfläche“ übersetzen kann, weist darauf hin, dass es sich bei dem neuen Werk um ein sehr persönliches Werk von Rainer Klein handelt. Verstärkt wird dieser Eindruck durch die Fotos im Booklet, das alte Aufnahmen zeigt, auf denen Rainer vermutlich als kleines Kind zu sehen ist.

Mit dem 3:47minütigen „Prelude“ leitet Otarion in sein neues Album ein. Es knistert zunächst wie bei einer Vinylscheibe und eine melancholische, zarte Pianomelodie erklingt dazu. Nach einer Minute setzen dann eine weibliche Stimme und eine Art Cellosound ein um diese Melancholie noch zu verstärken. Nach einer weiteren Minute öffnen sich die Sounds, wechseln zu einer Art Orgel und es kommt ein weit entferntes Stimmgewirr hinzu und man hat das Gefühl in die Erinnerungen von Rainer Klein hineingezogen zu werden. Nahtlos geht es in den ersten Track „Behind The Doors“ über, das passend mit Schritten und dem Öffnen sowie Schließen einer Tür atmosphärisch beginnt. Es erklingt eine Kombination aus weiblicher Stimme und Streichinstrument, kombiniert mit Orgelklängen und zieht einen schon zu diesem Zeitpunkt tief in die Otarionklangwelten hinein. Nach gut zwei Minuten kommen Rhythmus und Gitarrenklänge auf und die Stimmung wird auf eine neue Ebene gehoben die ab Minute Drei rockige Elemente mit einbaut. Das ist absolut faszinierend und fesselnd.

Das ganze Album ist sehr homogen und komplex aufgebaut, so dass man es im Ganzen hören sollte. So wirkt beispielsweise das 2:19minütige „The Abandoned Place“ wie ein atmosphärischer, Soundtrack artiger Übergang zwischen den Stücken „Behind The Doors“ und dem Titelstück, das mit Glockenschlägen beginnt, dazu einige surrealistische Sounds einwebt und nach gut 45 Sekunden an Fahrt aufnimmt. Hier entwickelt sich ein toller Track mit Sequenzerlinien, Percussion, Arpeggios, verzerrten Streichersounds und herrlichen Flächen um dann wieder in einen von E-Gitarren durchzogenen rockig-loungig-elektronischen Part überzugehen. Das ist perfekt gemacht und stellt eine homogene Verbindung aus Elektronik und Rock dar, ohne dass eine der beiden Seiten zu dominant wirkt. Otarion entwickelt diesen Elfminüter weiter und ändert im Verlauf Struktur, Melodie, Dynamik und Rhythmus.

„Refractions“ zeigt sich von einer Intensität wie es Sigor Ros vermögen und vermischt das dann noch mit einem sanften Rockpart, der mich teilweise im weitesten Sinne an sanfte/hypnotische Songs von Crippled Black Phoenix erinnern.

Die Kombination aus perlenden, atmosphärischen Gitarren- und Synthieklängen vernebelt einem in „A Different Way“ dagegen förmlich die Sinne um im weiteren Verlauf in einen rhythmischen, treibenden Track zu münden. Es folgen weitere vier Tracks, die diese Qualitäten fortsetzen.

Rainer Klein aka Otarion hat es mit seinem neuen Album „Under Surface“ mal wieder geschafft Stücke mit hohem Suchtfaktor einzuspielen. Man ist bei diesem Album von der ersten Sekunde an gefangen und wird bis zum Schluss nicht mehr losgelassen. Ein tolles Album, das sowohl für Elektronikfans als auch für Freunde des atmosphärischen Artrock geeignet ist....


Harald Nies - Axial

18.06.2018
MusikZirkus
Nach seinem letzten Album „Tales Of Light“ hat der Gitarrist und Keyboarder Harald Nies im Frühjahr 2018 einen Nachfolger unter dem Titel „Axial“ veröffentlicht. Auf seinen Produktionen lässt Harald elektronische Musik mit Gitarrensounds verschmelzen, was manchmal zu rockigen Passagen führt. Laut Pressetext erwarten die Hörer fließende Passagen, Spacerock und verträumte Elektronik, die sich gekonnt abwechseln.






Acht Stücke sind auf der CD zu finden, deren Laufzeiten zwischen 5:33 und 14:47 Minuten liegen. Die CD beginnt mit dem atmosphärischen „Inorganic“. Pulsierende Synthies eröffnen den Track auf den sich dann Flächen legen, die sanft durch den Raum ziehen. Locker/leicht fließt die Musik dahin, bis Harald nach zwei Minuten eine Rhythmussequenz startet und eine herrliche Melodielinie einfügt. In den 8:29 Minuten, die das Stück dauert, entwickelt Harald es immer weiter und ergänzt Klänge und Harmonien. Dieser erste Track ist sehr elektronisch angelegt, der Einsatz einer Gitarre ist für mich dabei nicht zu erkennen.

Es folgt das 6:20minütige „Islands Nights“, das mit sehr eingängigem Rhythmus und Melodiebogen bestückt ist. Wabernde Synthies und eine liebliche Melodie gehen dabei eine Liaison ein, die im weiteren Verlauf durch eine weibliche Stimme ergänzt wird. Damit schrammt Harald aus meiner Sicht aber so ein bisschen am Grat zur Belanglosigkeit.

„Roadshop“ ist mit 14:47 Minuten der längste Track des Albums und beginnt mit recht spacigen Klangfarben und -formationen. Das wirkt anfangs auch wie ein synthetisches Windspiel, aus dem sich Synthieflächen erheben. Nach ca. einer Minute kommen dann ein Sequenzerrhythmus und nach einer weiteren Minute ein leicht stampfender Beat (wie bei einer Dampflok) auf, der sich mit einer Melodie vereint. Hier stimmen Rhythmus und Melodie. Nach etwa sechseinhalb Minuten ändert sich das Bild schlagartig und ein rockiger Schlagzeugrhythmus, so wie man ihn auch von Harold van der Heijden her kennt, setzt ein. Darauf platziert Harald dann eine kratzige Gitarre, die dem Ganzen nun auch eine leichte Rocknote verleiht. Im letzten Drittel lässt Harald dann aber seine Gitarre singen und das Hauptmotiv übernehmen. Gerade in diesen Passagen zeigt sich Harald von seiner besten Seite.

Ruhiger geht es dann zunächst in „Escape From Earth“ zu, denn hier kommen wieder Flächen auf und ein Tangerine Dream artiger Rhythmus schält sich zunächst aus dem Off, um kurz darauf in einen hymnischen Track überzugehen. Das dringt sofort ins Ohr ein. In dieses Stück webt Harald dann auch noch ein paar nostalgische Klangfarben, die nach Mellotron klingen. Er verbindet hier moderne mit traditionellen Klängen und versteht es den Track stetig voranzutreiben.

Ein leichter Folk- bzw. Weltmusik-Touch kommt dann in „View From The Hill“ auf, in das Harald auch einige gesprochene Passagen eingebunden hat. Ein sehr schöner, relaxter Track, bei dem man sich die Aussicht von einem Hügel über weite Landschaften vorstellen kann. „Let’s Jam“ zeigt sich als Stück, bei dem Harald einfach drauf los gespielt zu haben scheint, ohne das die Struktur verloren geht. Ein eingängiger Track mit einigen Strukturwechseln, der aber richtig Spaß macht und im Verlauf eine hinreißende Melodielinie bereithält.

Etwas düsterer geht es dann zu Beginn in „Dark Fever“ zu, was sich aber schon nach wenigen Momenten ändert. Hier greift Harald dann auch wieder zur E-Gitarre um seine unverwechselbaren Licks zu spielen. Eine gelungene Kombination zwischen atmosphärischem Rock und Elektronikmusik. Den Abschluss bildet dann das durch Fagott artige Sounds sowie der eingesetzten Soundeffekte ungewöhnliche Titelstück. Es wandelt zwischen symphonischer Musik und stimmungsbildender Elektronik.

Harald Nies hat mit „Axial“ ein neues Album auf den Markt gebracht, das unterschiedliche Stimmungsbilder und Klangfarben enthält. Fließende, flächenartige Passagen wechseln sich dabei mit spacigen und verträumten Parts ab. Harald setzt dabei seine E-Gitarre eher spartanisch ein. Wenn sie dann aber zu hören ist, dann trifft er aber genau den richtigen Ton (für mich das Salz in der Suppe seiner Stücke).

Stephan Schelle, April 2018...


Otarion - Under Surface (NEU)

14.06.2018
global
Der Siegener Elektronikmusiker Rainer Klein, seit 1997 als Otarion unterwegs, bringt es mit dem neuen Werk auf bereits zehn Veröffentlichungen, das sechste in Folge nun bei MellowJet Records. Dabei bewies er bisher konstant hohes Niveau und brachte dabei einen recht eigenen Stil zu Gehör. Under Surface ist nun jedoch nicht einfach nur ein neues Album im typischen Otarion-Stil geworden. Nein, hier hat sich in der Tat wirklich viel verändert. Was allerdings zum Glück nicht mit der Qualität der Produktion zu tun hat, sondern vielmehr mit der musikalischen Ausrichtung. Auch wenn es nach wie vor auf Bernd Scholls MellowJet Records erscheint, ist es diesmal eben kein typisches Elektronikalbum geworden.
Schon auf den Vorgängeralben hatte die Gitarre vermehrt Einzug in seine Kompositionen gehalten, eine Entwicklung mehr hin Richtung Progressive Rock wurde erkennbar . Auf dem neuen Album beschreibt der Künstler, dass nun eine ordentliche Portion Post-Rock hinzukommt, um noch mehr Emotionalität in die Kompositionen zu bringen. Der Rezensent ist nun nicht gerade Post-Rock-affin, ist er aber so gemacht wie hier, dann mag sich das zukünftig ändern. Ein Titel wie Refractions zeigt mustergültig, wie Otarion dies auf Under Surface angeht. Schon das Intro lässt aufmerken, ein wunderbares, ruhiges Klavierstück, in intensive Atmosphäre eingebettet, eröffnet ein ausgesprochen emotionales, abwechslungsreiches Progressive-Post-Rock-Elektronik Ambient Album, mit dem Rainer Klein ein dickes Ausrufezeichen setzt Definitiv eine Neuausrichtung und kaum mit früheren Werken vergleichbar - und rundum gelungen. Tolles Album! Jürgen Meurer, Empire Magazin, Mai 2018...